Im Rahmen von Impulse Festival 2026

03.06. – 07.06.2026

Seit mehr als 30 Jahren sind die Impulse des NRW KULTURsekretariats eines der wichtigsten Festivals für die Freie Theaterszene im deutschsprachigen Raum. 2026 feiert das Impulse Festival seine Eröffnung im FFT Düsseldorf.

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The Embassy & Gäste

not ready/nicht bereit

Vorträge und Gespräche Gespräche + Workshops
Publikum sitzt in einem Veranstaltungsraum auf Stühlen. Im Vordergrund sind mehrere Personen von der Seite zu sehen, einige halten Notizbücher oder Smartphones. Tageslicht fällt durch große Fenster im Hintergrund.

Europa rüstet auf: Wehrpflicht, höhere Verteidigungsausgaben und militärische Mobilität. Den Preis zahlen Zivilgesellschaften durch Kürzungen in Bildung, Soziales und Kultur. Angesichts von Krieg und geopolitischer Unsicherheit fragt das transnationale Netzwerk kritischer Kulturschaffender The Embassy: Was tun jene, die nicht kriegstüchtig sein wollen? Was lernen wir von aktuellen Protesten, und wie können wir solidarisch sein mit denen, die keine Wahl haben?

Wehrpflicht einführen, Verteidigungsbudget aufstocken, Rüstungsindustrie ankurbeln, Militärmobilität fördern. Die Gesellschaften in Europa wollen wieder kriegstüchtig werden. Den Preis für dieses Vorhaben, das die EU „Bereitschaft 2030“ nennt, zahlen die Zivilgesellschaften: In den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur wird gespart, die jungen Generationen sollen ihre Zukunft ‚in den Dienst stellen‘, die Medien machen den Kriegsjargon wieder salonfähig. Angesichts der Bedrohung durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, der unsicheren Bündnis-Verantwortungen zwischen USA und den Ländern Europas, gepaart mit den zunehmenden autoritären Tendenzen in einigen europäischen Regierungen gibt es Neujustierungen in den Staatsausgaben der europäischen Länder. Von Klimaschutz redet eigentlich niemand mehr. Immer weiter eskalierende Kriegswirtschaft und koloniale Machtspiele kosten Zivilgesellschaften weltweit Leben, Land und Kultur.

Was aber tun all jene, die ‚nicht bereit‘ sein wollen? Und was tun jene, die sich diese Fragen gar nicht erlauben können? Nach ihrer Gründung im Sommer 2025 tritt The Embassy, ein transnationales Netzwerk kritischer Kunstschaffender aus Europa++, bei Impulse 2026 erneut zusammen, um von denen zu lernen, die es anders machen wollen. Von den Schüler*innen, die gegen die Wehrpflicht in Deutschland auf die Straße gehen. Von den Studierenden, die in Serbien gegen Korruption, staatliche Willkür und Dysfunktionalität protestieren. Von den Vielen, die hier und dort in Protestchören gegen faschisierende Politik ansingen – ausdauernd, solidarisch, laut.

Die beiden Tage von The Embassy hängen inhaltlich zusammen, können aber auch unabhängig voneinander besucht werden. Das Festivalpublikum ist jederzeit willkommen.

Programm

Offenes Plenum zum Mithören, Mitdenken, Diskutieren, Austauschen und In-Verbindung-Treten.

11:00–13:00 BERICHTE 1 – „AUFRUHR“
Auftaktgebende Impulse von Déborah Brosteaux (Brüssel), Schulstreik NRW sowie Boyka Boneva und Nikos Papakostas (Athen)

15:00-17:00 BERICHTE 2 – „AFFIRMATION“
Auftaktgebende Impulse von Marijana Cvetković (Belgrad) und Judith Balso (Paris)

Im Anschluss an die Inputs und den Austausch „not ready / nicht bereit“ des internationalen Künstler*innen-Netzwerks The Embassy & Gästen wird das Thema „Militarisierung, Sicherheit und Kultur“ an diesem Tag in einem Gespräch im FFT fortgesetzt.

Mit dabei: Prof. Dr. Teresa Koloma Beck, Soziologin mit den Forschungsschwerpunkten „Konflikte, Krisen und gesellschaftliche Transformation“, „Gewalt, (Un-)Sicherheit und Globalisierung“, mit besonderem Fokus auf Alltagsdynamiken und post/dekolonialer Dimension der Gegenwart.

19:00–20:30 „…will there also be singing?
Versicherheitlichung, Austerität und Kultur“ im FFT Düsseldorf

10:00-11:00 choreographisches Warm-Up

11:00–13:00 ASSEMBLY
Öffentliche Vollversammlung zur gemeinsamen Verhandlung der entstandenen Fragen und weiterer Themen. Versammelt um einen großen Arbeitstisch sprechen wir länder-, sprach- und generationsübergreifend über die drängenden Fragen und machen uns gemeinsam „nicht bereit“.

Im Anschluss am Nachmittag: gemeinsamer Besuch des Festivalprogramms und ungeformte Zeit


Von und mit

Beiträge: Judith Balso (Paris), Marijana Cvetković (Belgrad), Déborah Brosteaux (Brüssel), Boyka Boneva (Athen) sowie Erfahrungsberichte vom Schulstreik NRW und der Studierendenbewegung in Serbien
Konzept & Organisation: Emre Abut (Duisburg), Johanna-Yasirra Kluhs (Duisburg), Locu Locuratolo (Essen), Julia Nitschke (Bochum), Antoine Palévody (Paris), Rika Sakalak (Bochum), Laura Strack (Rom)
Mitarbeit: Biljana Tanurovska-Kjulavkovski (Skopje), Rotterdam Presenta (Jan Rohwedder / Stine Hertel, Düsseldorf)
Weitere internationale Botschafter:innen: Özge Açıkkol, Istanbul / Berlin; Georg Döcker, Wien; ŠKART Collective (prota), Belgrad; Milo Jurani (tactical body), Brno; Julie Peyrat, Liège; Caroline Kapp (tactical body), Berlin; Martin Vongrej, Bratislava

The Embassy ist ein transnationales Netzwerk kritischer Kunstschaffender, die sich sprachen- und länderübergreifend über gesellschaftspolitische Entwicklungen in Europa++ verständigen und die kritisch-affirmative Handlungsfähigkeit von Kunst und Kultur erhalten und stärken wollen. Die erste Zusammenkunft von The Embassy beim Impulse Festival 2025 war den Auswirkungen reaktionärer und demokratiefeindlicher Tendenzen auf die Bereiche Kunst, Bildung und Soziales gewidmet. Zwischen ihren großen Treffen arbeitet The Embassy dezentral und selbstorganisiert in lokalen Treffen, Residenzen, Workshops und Korrespondenzen.

Auf Initiative des Théâtre de la Commune im Pariser Vorort Aubervilliers rief die Philosophin Judith Balso 2016 zusammen mit anderen die École des Actes ins Leben. Als „experimentelle und militante Mikro-Institution“ bringt die École Arbeiter:innen, Intellektuelle, Kunstschaffende und Studierende aus der Banlieue und der ganzen Welt in einem ermächtigenden Prozess gemeinsamen Lernens zusammen. Ihre Mitglieder nennen diesen Prozess „alltägliche Arbeit an einer Subjektivität des Friedens“. Judiths schriftstellerische Arbeiten kreisen um die politische Kraft von Poesie. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über die Arbeiter:innen- und Sans-Papiers-Bewegungen der letzten fünfzig Jahre in Frankreich.

Boyka Boneva und Nikos Papakostas sind Gründungsmitglieder der gemeinnützigen Organisation InterAlia. Seit 2013 initiiert und fördert InterAlia zivilgesellschaftliches Handeln und transkulturelles Zusammenleben im Athener Viertel Exarchia, das sich gegenwärtig den drastischen Konsequenzen von Gentrifizierung und Massentourismus ausgesetzt sieht. In Verklammerung mit dem politischen Rechtsruck, korrupten Gesellschaftsstrukturen und autoritären Sicherheitsdispositiven führen diese Entwicklungen zu erhöhter Militärpräsenz und polizeilicher Willkür im Stadtviertel, was das Leben der Leute in Exarchia generationsübergreifend erschwert.

Marijana Cvetković ist Kulturproduzentin, Kuratorin, Pädagogin, Forscherin und Aktivistin. Sie gehört zu den Initiator:innen verschiedener kollaborativer Plattformen, darunter das transnationale Netzwerk für zeitgenössischen Tanz Nomad Dance Academy, das sich bewusst auf den post-jugoslawischen Raum als politische, geographische und ästhetische Referenz bezieht. Als Co-Gründerin des selbstverwalteten Cultural Centre Magacin in Belgrad ist sie engagierte Expertin unabhängiger und transregionaler Kulturarbeit mit politischem Anspruch. In ihren jüngst publizierten Beiträgen zur Studierendenbewegung in Serbien erforscht sie, wie kollektive Handlung und Intelligenz gegen strukturelle Gewalt, soziale Erosion und autoritäre Macht wirksam werden.

Déborah Brosteaux ist promovierte Philosophin, Mitglied des Centre de Recherche sur l’Expérience de Guerre an der Université Libre de Bruxelles und assoziierte Forscherin am Centre Marc Bloch in Berlin. Sie unterrichtet an verschiedenen Universitäten in Belgien und Frankreich. In ihrem Buch „Les désirs guerriers de la modernité“ („Die kriegerischen Affekte der Moderne“) befasst sie sich mit der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts und sucht nach den Affekten, die bis heute unser (westeuropäisches) Verhältnis zum Krieg prägen. „Wir leben nicht im Krieg, sind aber auch nicht in Frieden“ – eine paradoxe Situation, in der Intensität anziehend wirkt, die effektiver Gewalt aber gleichzeitig nie wirklich nahekommt.

Schulstreik NRW ist eine Schüler*innenbewegung, die dezentral in vielen Städten organisiert wird. Mit Streiks, Demos und Kundgebungen protestieren die Jugendlichen gegen Wehrpflicht und Aufrüstung, besonders gegen das Ende 2025 vom Bundestag beschlossene Wehrdienstgesetz. Dieses Gesetz sieht die Wiedereinführung der Musterungspflicht für junge Männer von 18 Jahren vor sowie das Ausfüllen eines Fragebogens. „Wir wollen einen Staat, der ein Sondervermögen für Bildung schafft, nicht für Waffen“, fordert die Bewegung, die viele Protst- und Organisationsformen von Fridays for Future übernimmt.

Credits

Die Veranstaltung ist Teil des Impulse Festivals für Performance, Theater & Tanz. Das Impulse Festival 2026 wird veranstaltet und gefördert vom NRW KULTURsekretariat, gemeinsam mit den Städten Düsseldorf, Bochum, Mülheim an der Ruhr und Köln, in Kooperation mit dem FFT Düsseldorf, PRT Bochum, Ringlokschuppen Ruhr und der studiobühneköln. Das Festival wird maßgeblich gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.