Non-Violent Bodies (solo) // East German Fragilities - Lust auf Gewalt
Performance Double Bill Theater + Performance
Zwei Soli, zwei junge Positionen, zwei Auseinandersetzungen mit Ostdeutschland und Osteuropa in den 90er-Jahren: Karol Filo blickt auf Tschechien und die Slowakei in den 1990er-Jahren. Die Brutalität rechtsextremer Skinheads trifft auf Wellen antifaschistischer Gegengewalt. Der in der Slowakei geborene Theater- und Videokünstler betrachtet die Zeit und setzt sie ins Verhältnis zum Ideal der Gewaltlosigkeit.
Mike Dele Dittrich Frydetzki wird zu Maik: dem Jungen vom Dorf, dem kleinen Schisser, der halben Portion. In einer semi-fiktionalen Begegnung mit der eigenen Vergangenheit fragt Mike, was es geheißen haben könnte, im Ostdeutschland der 90er-Jahre als weißer Junge aufzuwachsen. In einer queeren Selbstinszenierung zwischen Ohnmachtsgefühl und Drohgebärden, behauptet Mike eine andere Perspektive.
In Non-Violent Bodies begibt sich Karol Filo ins Tschechien und die Slowakei der 90er Jahre. Eine Zeit, in der ein Teil der Gesellschaft glaubte, die politische Natur des Alltagslebens habe sich im neoliberalen Traum vom freien Markt und individuellen Wettbewerb aufgelöst. Gleichzeitig verfolgten Mitglieder der antifaschistischen Bewegung aufmerksam die Aktivitäten von rechtsextremen und neonazistischen Skinheads und entschieden sich oft für Gegengewalt. Im Spannungsfeld zwischen der europäischen Fantasie der Gewaltlosigkeit und der gelebten Realität physischer Konfrontation untersucht Karol Filo in dieser Lecture-Performance, was es bedeutet, sich selbst und diskriminierte Gruppen zu verteidigen.
In dieser semi-fiktionalen Begegnung mit der eigenen Vergangenheit wird Mike zu Maik und macht sich auf die Suche nach der eigenen Kindheit im Ostdeutschland der 90er Jahre. Maik dringt ein in die Erzählung über ostdeutsche Männlichkeiten der Nachwendezeit, um sie von innen heraus auseinander zu nehmen. Was macht die Erfahrung der Schutzlosigkeit in Gegenwart (rechter) Gewalt mit dem Leben und der Selbstwahrnehmung von Heranwachsenden? Wie schreiben sich Aggression, Angst und Anpassung in den Körper ein?
In einer queeren Selbstinszenierung mit T-Shirt-Slogans, Power Posen, Rap und Drag Performance, zwischen Ohnmachtsgefühlen und maskulinistischen Drohgebärden, unternimmt Mike den Versuch, eine andere Perspektive zu behaupten.
Von und mit
Non-Violent Bodies (solo) von Karol Filo
Autor/Darsteller: Karol Filo
Mitautor des Textes: Radek Wollmann
Dramaturgische Unterstützung: Viktor Prokop, Orin Rodrigues
Künstlerische Beratung: Gosia Wdowick, Ira Brand, Robert Smolík
Produktion: Unkulunkulu, KLAS CREW
Besonderer Dank gilt: Janka Dold, Tobiáš Nevřiva, Sodja Lotker
Karol Filo ist ein in der Slowakei geborener, in Prag lebender interdisziplinärer Künstler und Performer, dessen Arbeit die Schnittstellen von dokumentarischer Performance, sozialer Vorstellungskraft und persönlicher Erzählung untersucht. Er hat seine Werke in der Tschechischen Republik, der Slowakei, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Ungarn und auf Martinique geschaffen und präsentiert. Er beschäftigt sich mit Themen wie Nähe, Polarisierung, Gewalt, Moral, Widerstand, Machthierarchien, Propaganda und Kolonialismus. Er verbindet dokumentarische, theatralische, filmische, konzeptuelle und ethnografische Ansätze mit der Wunscherfüllung.
East German Fragilities – Lust auf Gewalt von Mike Dele Dittrich Frydetzki
Konzept/Performance: Mike Dele Dittrich Frydetzki
Szenografie: Raiko Sánchez
Kostüm: Iggi Meerstein
Musik: Sophia Ziesch (Ida Bux)
Dramaturgie: Maria Rössler
Objekt: Torsten Rötzsch
Mike Dele Dittrich Frydetzki ist Künstler*in und Kulturwissenschaftler*in. Dey arbeitet als Performer*in, Regisseur*in, Dramaturg*in, Fahrer*in und künstlerische Leitung von Theater/Performanceprojekten und Festivals. Inhaltlich liegt deren Fokus auf der Reflexion der eigenen post-ostdeutschen Herkunftsgeschichte, queerfeministischen Fragestellungen und solidarischen, kollektiven Arbeitspraktiken. Mike studierte angewandte Theater-, Medien- und Kulturwissenschaften in Hildesheim, Gießen und Warschau.
Maik arbeitet so gut wie nie allein.
Credits
Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Non-Violent Bodies (solo) von Karol Filo
Koproduktion von HELLERAU, Studio ALTA, KALD DAMU, Malá inventúra, ART-IN-RES, Naplaveno
East German Fragilities – Lust auf Gewalt von Mike Dele Dittrich Frydetzki
Koproduktion von MDDF/Die Soziale Fiktion GbR mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste im Programmschwerpunkt: „Spurensuche“. Dieses wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Darüber hinaus wird der Schwerpunkt unterstützt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

