Lightningtalks & Feedback
Kurzvorträge und Gespräche Gespräche + Workshops Soziale / Urbane Bewegung(en)
Durch die Residenzförderung des Fonds Darstellende Künste in Kooperation mit dem Bündnis Internationaler Produktionshäuser hatten 21 Künstler*innen und Kollektive die Möglichkeit, zu experimentieren und neue Konzepte praktisch zu erproben. Nun sind alle Teilnehmer*innen zu Reflexion und Austausch nach Düsseldorf eingeladen. In kurzen Vorträgen geben fünf der Residenz-Formationen Einblicke in ihre Arbeit. Anschließend gibt es Raum für Fragen und kollegiales Feedback.
Mit Vorträgen von
Alena Starostina und Ivan Nikolaev (aliveduo) sprechen darüber, woran sie während ihrer Residenz in Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Hellerau gearbeitet haben und was sie in der Anfangsphase der Entstehung der Performance Black Box inspiriert hat. Das Werk basiert auf einem Stück des belarussischen Dramatikers Pavel Pryazhko und untersucht, wie ungelöste historische Traumata das heutige Leben weiterhin prägen. Analoge Fotografien von Schulgebäuden aus den 1970er- und 1980er-Jahren sowie dokumentarische Interviews mit Menschen, die in dieser Zeit zur Schule gingen, waren wichtige Materialien, die den Künstler*innen bei ihrer Suche nach einer Antwort auf die Frage halfen, wie Architektur die Persönlichkeitsbildung im Raum des Ostblocks beeinflusst.
Mit unserem Thema Bewegen Spielen Identität wollten wir einen Blick und einen Perspetivwechsel auf tradierte Rollenbilder bei Kindern werfen. Wir haben dieses in Klausur, aber auch in der Praxis in einem Gehörlosen-Kindergarten erprobt, erspielt, ertanzt. Die Arbeit ergab einen wortwörtlichen PerspektivWechsel. Rollende Tribünen fahren Kinder durch und in das Geschehen.
Post Paradies stellt ein aktuelles Projekt vor: Ein Theaterkollektiv pitcht sich und dem Publikum Ideen für ihre nächste Inszenierung, die sich dem Spannungsverhältnis zwischen Hauptstadt und Provinz widmet. Was als Pitch beginnt, verwandelt sich schnell in eine musikalische Vorstellung, in der die imaginierten szenischen Fragmente der gepitchten Stücke Eigendynamik entwickeln und sich verselbstständigen. Eine Theatergruppe auf der Suche nach radikaler Hoffnung in Zeiten der Verunsicherung.
Jira Duguid & Chloê Langford vom Kollektiv Fantasia Malware geben einen kurzen Überblick über ihre Erfahrungen bei der Entwicklung eigener Videospiele und deren Live-Aufführung/Spiel vor Publikum. Spielsysteme und Videospieltechnologie bieten viele Möglichkeiten für Performativität – in dieser Präsentation beschreiben wir nur einige wenige Erfahrungen und Strategien.
Die chinesische Choreografin Wen Hui nutzte die Residenz für erste Recherchen und Materialsammlungen zu ihrer neuen Arbeit A City’s Story (AT). Gemeinsam mit dem Medienkünstler Remi Crépeau und der Tänzerin Patscharaporn Distakul untersuchte sie kollektive Erzählungen sowie Verschneidungen zwischen persönlichen Biografien und politischen Ereignissen. In Interviews mit Menschen ab 60 Jahren ergründete sie prägende Wendepunkte in deren Leben und leitete daraus Perspektiven für gegenwärtige und zukünftige gesellschaftliche Fragestellungen ab.
Von und mit
Moderation: Alisa Hecke
aliveduo ist eine kreative Partnerschaft zwischen Alena Starostina und Ivan Nikolaev, die 2022 aus Russland, wo sie zu den führenden Vertretern des zeitgenössischen Theaters gehörten, nach Deutschland emigrierten. In Deutschland setzen sie ihre Arbeit im Bereich der zeitbasierten Medien fort. In ihren Projekten – ob Theater oder Film – arbeiten sie mit analogem Material, das wegen seiner taktilen, physischen Prägung durch die Zeit geschätzt wird. Der neueste Film der Künstler, Trace of a Silent Tear, wurde für das Laterale Film Festival (Italien), das RPM Fest (USA), das BISFF (China) und das AIDFF (Athen) ausgewählt.
Andreas Simon bildet mit Anna Brass ein Körperkunstduo, das sparten-, alter- und genreübergreifend forscht: Brass und Simon Performance Art Schwerpunkte sind soziokulturelle Projekte mit Kindern und Jugendlichen, professionelle Konzeptperformances und Stücke für Kinder ab 3 Jahren.
Andreas Simon studierte an der Schule für Neue Tanzentwicklung, SNDO (Hochschule der Künste) in Amsterdam New Dance. Anna Brass ist freischaffende Regisseurin und Theaterpädagogin. Sie macht Theater für und mit Menschen jeden Alters auf und hinter der Bühne. Sie studierte Diplom-Sozialpädagogik an der FH Düsseldorf.
Post Paradies ist ein Theaterkollektiv und besteht aus Hannah Baumann, Pina Bergemann, Henrike Commichau, Leon Pfannenmüller, Lizzy Timmers – fünf Theatermacher:innen aus den Bereichen Schauspiel, Regie und Dramaturgie. Die Gruppe hat das Theaterhaus Jena bespielt und geleitet. In dieser Zeit wurde das Theater mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und u.a. zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach dem Weggang aus Jena arbeiten sie als freies Theaterkollektiv weiter. 2026 werden sie im Rahmen der XZLLNZ-Förderung des FondsDaku mit “Danton. Ein Jubiläum.” (AT) die Spielzeit der Münchner Kammerspiele eröffnen. Ende des Jahres haben sie mit “The Pitch” Premiere am Hebbel am Ufer, Berlin.
Fantasia Malware ist ein experimentelles Videospiel-Label und Kollektiv mit Sitz in Berlin. Gemeinsam entwickeln sie Videospiele und Performances. Die Mitglieder von Fantasia Malware sind Jira Duguid, Chloê Langford und Gabriel Helfenstein. Ihre Zusammenarbeit ist aus der brodelnden Unterwelt der Videospiele entstanden – einem spätkapitalistischen Medium, das sich aus dem Griff des Marketingteams befreit hat, um grenzenlose fremde Traumwelten zu erschaffen.
Die Choreografin und Filmemacherin Wen Hui (geboren 1960), Trägerin der Goethe-Medaille 2021, gilt als Pionierin des zeitgenössischen Tanzes in China. Wen Huis Werk ist geprägt vom Körper als Archiv – ein Speicher individueller und kollektiver Erfahrungen sowie Spuren intergenerationaler Traumata. Die Choreografin arbeitet an diesen Körperarchiven häufig mit nicht-professionellen Tänzer*innen und richtet dabei stets den Fokus auf Erinnerungen an deren eigenes Leben und die Verbindung zwischen dem Persönlichen und dem Politischen.
Nach seinem Filmstudium in Paris und New York arbeitete Rémi Crépeau mit Mondomix (2010-2014) und produzierte Dokumentarfilme und Musikinhalte. Heute ist er freischaffender Videograf und arbeitet mit Pariser Kulturinstitutionen an historischen Dokumentarfilmen sowie als Video Designer für das Théâtre de la Ville, 104 und Les Rencontres d’Arles. Seit 2017 ist er Artist in Residence im 6B in Saint-Denis. Seit 2021 entwickelt er Videoinhalte für Produktionen der Choreografin Wen Hui.
Patscharaporn Distakul absolvierte ihren Bachelor of Dance an der Codarts Rotterdam Dance Academy und arbeitete als Tänzerin mit verschiedenen Kompanien in Europa. Seit in Frankfurt lebend, arbeitet sie v.a. mit den Choreografen Wen Hui und Fabrice Mazliah. Derzeit entwickelt sie ihre Solo-Performance Flourishing Remnants of a Tasteful Soup (AT), in der sie sich der Frage stellt, wie sie als Frau der zweiten Einwanderergeneration zwei grundlegend unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen in sich vereint. Parallel dazu studiert sie Dance Science an der Universität Bern.