Ein Weltall des Kapitals – Die Überwindung der terrestrischen Vernunft
In Kooperation mit der Kunstakademie Düsseldorf
Vortrag + Gespräch Gespräche + Workshops Soziale / Urbane Bewegung(en)
Im Rahmen der dreiteiligen Vortragsreihe Fremder Planet nimmt im Dezember der Philosoph Jan Völker die Renaissance der Weltraumfahrt unter dem Vorzeichen der Privatisierung in den Blick. Touristen werden ins All befördert, Pläne zum Bergbau auf Asteroiden ins Auge gefasst, neue Stätten der Menschheit gesucht – so beginnt die Kolonisation des Weltalls. Einher geht damit die Verfertigung eines neuen Menschenbildes, in dem die Realität vollkommen störungsfrei mit der Imagination übereinkommen soll. Es ist ein Bild, aus dem das Unbewusste ausgeschieden ist. Dieses Menschenbild trachtet nicht nur danach, die Grenzen der mit Kant begründeten Vernunft zu überwinden, sondern auch das von den Apollo-Missionen geschaffene Bild der Erde, das diese als Umwelt des Menschen zeigte und zur Sorge um den Planeten drängte. Im Blick des Kapitals erweist sich die Erde so nur noch als ein zukünftig verlassener Ort, als Ausgangspunkt für eine neue Wirklichkeit des Menschen – der kommenden Apokalypse überlassen. Diese und andere Thesen werden wir im Gespräch diskutieren.
Über die Vortragsreihe
Globale ökologische und politische Herausforderungen prägen die Gegenwart, wir erleben eine rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und ein Revival der Raumfahrt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Phänomenen? Und was haben sie mit dem Wiedererstarken autoritärer Regierungsformen zu tun? Die Vorträge der Reihe untersuchen den Wandel des Bildes, das der Mensch von sich selbst und der Welt entwirft – mit Ulrike Haß, Jan Völker und Samo Tomšič.
Von und mit
Jan Völker ist Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Kulturwissenschaft in Leipzig, Berlin und Paris. 2009 erfolgte die Promotion mit einer Arbeit über die „Ästhetik der Lebendigkeit“ in Kants Kritik der Urteilskraft, 2023 die Habilitation, ebenfalls in Philosophie. Sein Buch „Ein Weltall des Kapitals“ erschien 2025 bei Matthes & Seitz Berlin.
Marcus Quent ist Juniorprofessor für Philosophie an der Kunstakademie Düsseldorf.
Credits
Die Veranstaltungsreihe Fremder Planet – Weltverhältnis im Umbruch ist eine Kooperation zwischen der Kunstakademie Düsseldorf und dem Forum Freies Theater Düsseldorf.
Konzeption: Marcus Quent.