Acceleration
Sound-Festival Musik + Sound
Wie komponiert man Beschleunigung, und wie klingt sie?
Das Soundcinema Düsseldorf ist ein Recorded-Sound-Festival für experimentelle, elektronische und elektroakustische Musik. Unter dem Themenschwerpunkt Acceleration präsentiert die achte Ausgabe Audioproduktionen, in denen sich Klänge verdichten, Tempi überlagern und Energie bis zur Sättigung steigert.
Zu hören sind zehn Arbeiten, ausgewählt aus rund 700 internationalen Einreichungen. Das Publikum befindet sich in einem abgedunkelten Klangraum, umgeben von einem mehrkanaligen Lautsprechersystem, über das die Produktionen erklingen. So entsteht eine Wahrnehmungssituation, in der sich die Aufmerksamkeit ganz auf das Hören richtet. Am Ende vergeben eine Fachjury und das Publikum drei Preise.
Neben dem thematischen Schwerpunkt präsentiert die freie Kategorie eine große Vielfalt elektronischer und elektroakustischer Musik: von Datensonifikation und generativer Klangsynthese über Kompositionen aus Field Recordings bis zu improvisierten Stimmarbeiten und akusmatischen Raumkompositionen.
Programm
18:00 Einlass und Musik im Foyer: Live-Radioshow mit Callshop Radio
19:00 Begrüßung
19:15 Freie Kategorie
20:00 Pause
20:30 Themenschwerpunkt Acceleration
ab 21:15 Aftershow: Ildikó – DJ-Set und Preisverleihung
Von und mit
Mit Beiträgen von: Antuum, Armando Balice, Hector Bravo Benard, Jacopo Casasola, Andrew Lewis, Gyuchul Moon, Nichola Scrutton, Simone Sims Longo, John Patrick Stewart und Yu-Chung Tseng
Jury: Luís Antunes Pena, Julian Rieken, Dr. Anna Schürmer
Konzept & Organisation: Sonische Interferenzen e.V.
Nexus | 08:08 | 7.1
Antuum (Deutschland) ist Klangkünstler, Live-Coder und Cellist, geboren im ukrainischen Schytomyr, heute in Berlin. Seine Arbeit bewegt sich
zwischen experimenteller Musik, algorithmischer Performance und klangbasierter künstlerischer Praxis. Ausgehend von einer klassischen Musikausbildung verbinden sich darin Improvisation auf Synthesizern, Live-Coding in SuperCollider und die Echtzeitbearbeitung akustischer wie elektronischer Klangquellen. Klang erscheint in seiner Praxis als performativer Prozess, geformt von generativen Strukturen, Interaktion in Echtzeit und den Bedingungen von Hören und Raum. Antuum studierte Computermusik und Klangkunst am Institut für Elektronische Musik und Akustik in Graz und war zuletzt als Erasmus-Student für generative Kunst an der Universität der Künste Berlin. Zuvor war er Cellist am Internationalen Orchester der Philharmonie Lwiw und an der Philharmonie Schytomyr.
Seine Arbeiten reichen von Mehrkanalkompositionen über kinetische Klangskulpturen bis zu ortsspezifischen Installationen. Zu hören waren sie unter anderem beim Sonorities Festival in Belfast, bei Wien Modern, im MuseumsQuartier Wien, im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl 2024, in der Zentralwäscherei Zürich, im Forte Prenestino in Rom und im Silent Green Berlin. 2026 war er beim Acousmonium-Festival für
akusmatische Musik in Graz vertreten und komponierte die Musik für After Symmetry am Joe Goode Annex in San Francisco. Residenzen führten ihn unter anderem an die Narva Art Residency in Estland.
Follia | 10:07 | Stereo
Armando Balice (Frankreich) ist ein französisch-italienischer elektroakustischer Komponist, Improvisator und Leiter der Musikcompagnie Alcôme. Seine Arbeit kreist um das Schwarz als abstrakte Vorstellung und erkundet dessen poetische und symbolische Dimensionen in einer reichen, immersiven Klangsprache. Aus akusmatischer und klassischer Musik ebenso wie aus Noise, Metal und experimenteller Praxis speist sich ein intensiver, zutiefst orchestral gedachter Zugang zum Klang. Balice wurde mit dem Prix Superphonique des Lycées 2026 und dem Prix Francis et Mica Salabert (SACEM Symphonic Awards 2023) ausgezeichnet. Aufträge erhielt er unter anderem von Radio France, INA – GRM, der Maison de la Musique Contemporaine, La Muse en Circuit, dem Ensemble Cairn sowie von zahlreichen Festivals. Nach dem Studium bei Jean-Marc Weber, Denis Dufour und Jonathan Prager schloss er einen Master in elektroakustischer Musik und Klangkunst in Zusammenarbeit mit dem INA – GRM ab.
Derzeit unterrichtet er elektroakustische Komposition am Conservatoire du Grand Chalon in Burgund.
Warped Dreams | 06:04 | 7.1
Hector Bravo Benard (Niederlande), geboren in Mexiko-Stadt, studierte Philosophie und Musik an der University of Victoria in Kanada, später am Centre Xenakis in Frankreich, am Institut für Sonologie und an den Konservatorien Den Haag und Rotterdam, an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko, am DXARTS Center der University of Washington sowie an der University of Birmingham, wo er promovierte. Zu seinen Lehrern zählen unter anderem Agostino Di Scipio, Julio Estrada, Scott Wilson, Gérard Pape, Clarence Barlow, Paul Berg, Joel Ryan und Carla Scaletti.
Er komponiert klangbasierte Musik für akustische Instrumente, Live-Elektronik und Festmedien, mit besonderem Augenmerk auf Klangfarbe und Raum sowie auf Naturphänomene wie nichtlineare dynamische Systeme. Seine Arbeiten waren international unter anderem bei der International Computer Music Conference (ICMC), der Ars Electronica (Linz), dem BEAST FEaST (Birmingham), MA/IN (Matera), SEAMUS (USA), der Gaudeamus Muziekweek (Utrecht), NYCEMF (New York), dem Sonorities Festival (Belfast), Espacios Sonoros (Salta, Argentinien), der ACMA-Konferenz (Australien), dem FIMNME (Mexiko-Stadt), Sound/Image (London) und beim Kyma International Sound Symposium zu erleben.
Squarci, in sogno | 07:52 | 7.1
Jacopo Casasola (Italien) ist ein in Bologna lebender Komponist und Klangkünstler, dessen Arbeit elektroakustische Komposition und Klangkunst umfasst. Er schloss ein Masterstudium in Sound Design am Conservatorio di Musica G. B. Martini in Bologna ab, absolvierte ein dreijähriges Diplom in elektronischer Musik und verbrachte ein Erasmus- Semester in elektroakustischer Komposition an der Hochschule für Künste Bremen. Seine künstlerische Praxis ist von einem ausgeprägten Interesse am Multimedialen geprägt – insbesondere am Verhältnis von Klang und Raum sowie von wahrgenommenem Raum und Imagination.
Three Storms | 07:12 | 7.1
Andrew Lewis (Wales), geboren 1963, ist Komponist und arbeitet seit den frühen 1980er-Jahren im Bereich der akusmatischen Musik. Er studierte Komposition bei Jonty Harrison an der University of Birmingham und gehörte dort 1982 zur Gründungsbesetzung von BEAST (Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre), an dessen Aufbau er über ein Jahrzehnt beteiligt war. Heute ist er Professor für Komposition an der Bangor University
und leitet dort die Electroacoustic Music Studios. Seine Musik interessiert sich für die Materialität des Klangs, wie er sich im Hören offenbart. Besonders beschäftigen ihn der Raumklang, das Verhältnis zwischen konkreten und abstrakten Klängen sowie die Prozesse der Hörwahrnehmung selbst. Neben akusmatischen Arbeiten schreibt er zunehmend für Orchester und Ensembles. Erste Preise errang er unter anderem beim Concours de Bourges (1997), in Valencia (2001), São Paulo (2003), bei KLANG in Montpellier (2016; 2018 zudem ein zweiter Preis) sowie bei Destellos in Argentinien (2017); 2004 erhielt er in Bourges eine „Euphonie d’Or“ für eines der zehn bedeutendsten Werke des Jahrzehnts. Fern Hill für Orchester und Elektronik entstand als Auftragswerk des BBC National Orchestra of Wales zum hundertsten Geburtstag von Dylan Thomas und wurde live auf BBC Radio 3 gesendet. Für Lebenslieder, ein groß besetztes Werk mit den Stimmen von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, erhielt er 2016 ein Leverhulme Research Fellowship. Seine Instrumentalmusik spielten unter anderem das BBC National Orchestra of Wales, das Orchestre national Montpellier Occitanie, das Kreutzer Quartet und Psappha. Aufnahmen erschienen bei empreintes DIGITALes und Innova.
Morphogenic Resonance II | 07:37 | 7.1
Gyuchul Moon (Südkorea) ist Klangforscher und Medienkünstler und arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft, Musik und Medienkunst. Seine Projekte zielen darauf, eine Vorstellung von Klängen hervorzurufen, in denen sich Menschliches und Nicht- Menschliches, Objekte und Organismen, Natürliches und Künstliches verschränken – umgesetzt mit den technischen Mitteln der Gegenwart. Zugleich untersucht er, wie die nichtlineare Dynamik der Natur mit ihrem Wechsel aus Gleichgewicht und Instabilität in musikalischen Ausdruck übersetzt werden kann. Ausgehend von der Verflechtung von Sound, Technologie und Systemtheorie erforscht er, wie Klänge materielle Gestalt annehmen. Dabei verschiebt er die Grenzen von Klanginstallation und musikalischer Form, indem er Musik und Klang mit alternativen technologischen Perspektiven verbindet: mit generativen Verfahren, die auf Selbstregulation, Selbstorganisation und KI beruhen. Ihn interessiert die Möglichkeit organischer Kompositionsformen. Seine Kompositionen und audiovisuellen Arbeiten waren unter anderem am ZKM (Karlsruhe), beim Sonic Acts Festival (Amsterdam), bei MUTEK (Japan, Mexiko und Montreal), bei SXSW (Austin), WeSA (Seoul) und PRECTXE (Bucheon) zu erleben; ausgewählt wurden sie außerdem für die Konferenzen NIME (Utrecht 2024) und AIMC (Brighton 2023). Ausstellungen zeigten seine Arbeiten im Sejong Center und im Art Center Nabi (beide Seoul). Residenzen führten ihn ins Künstlerhaus Bethanien (Berlin), ans ZKM (Karlsruhe) und ans Elektronmusikstudion EMS (Stockholm).
Quartet B | 04:57 | Stereo
Nichola Scrutton (Schottland) ist elektroakustische Komponistin, Vokalistin und interdisziplinäre Künstlerin mit Sitz in Glasgow. Psychologie, Erinnerung, Träume und Umgebung bilden den Ausgangspunkt ihrer Stücke, in denen psychische und geografische Räume ineinander übergehen. Sie kombiniert räumliche Field Recordings – unbearbeitet ebenso wie verfremdet, binaural oder per Hydrophon aufgenommen –, geformten Vokalklang und Elektronik mit Improvisation, Performance und visuellen Medien; es entstehen offene Arbeiten, die mehrere Sinne ansprechen. Ihre Stücke laufen im internationalen Rundfunk, und sie arbeitet regelmäßig in interdisziplinären und partizipativen Projekten. In jüngerer Zeit entstanden das Live- Ensemble Night Vision (Creative Scotland), die Auftragsarbeit Dream Stream (Radio Art Zone, Europäische Kulturhauptstadt), Interzone (Nonclassical, PRS Foundation, ausgewählt für das 20. REMIX-Album) und A Kind of Scoring (Glasgow Print Studio). Über ihre Veröffentlichung Scenes from the Blue schrieb Chain D.L.K., sie sei ein leise changierendes Ökosystem, in dem man sich einrichten möchte.
Derzeit entwickelt sie im Rahmen des Förderprogramms In Motion von Sound and Music einen poetischen Dokumentarfilm mit Live-Performance.
Franti | 06:07 | Stereo
Simone Sims Longo (Italien) arbeitet im Feld der elektroakustischen Komposition und verbindet dabei digitale Technologien, Field Recording und die Bearbeitung akustischer Klänge im digitalen Raum. Hören begreift er als vielschichtige, mehrdimensionale Erfahrung; sein besonderes Interesse gilt der Morphologie des Klangs, dem Mikrosound, dem Rhythmus und der Komposition im Raum. Seine Arbeit ist in der akusmatischen Tradition verwurzelt, bewegt sich aber auf eine post-akusmatische Dimension zu, in der instrumentale Gesten, fragmentierte Materialien, Repetition und allmähliche Transformation ineinandergreifen. Seine Musik ist bei Raster Media, Umor Rex, Esc.Rec., Opal Tapes und Accidental Records erschienen. Er ist künstlerischer Leiter des FONORAMA in Cuneo, Italien, und unterrichtet elektroakustische Komposition und Musiktechnologie.
Schema | 05:08 | 6.0
John Patrick Stewart (USA) ist ein in Miami lebender Komponist und Schlagzeuger. Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Dehnbarkeit musikalischer Zeit und die Positionierung des Publikums innerhalb des Ensembles. Derzeit liegt sein Schwerpunkt auf Ensemblekompositionen, darunter a disruption, 2017 im Penn Museum in Philadelphia aufgeführt, und Buildings, Flesh, and Envy, 2023 im Peacock Park in Miami zu erleben. Beide Werke sind für drei Celli, vier Klaviere und vier Schlagzeuge geschrieben und werden im Rund aufgeführt: Die elf Spieler*innen gruppieren sich strahlenförmig um das Publikum, sodass die räumlichen Beziehungen Teil der Komposition werden. Auf seinen früheren Alben Errer (2013) und On Having Become Obsolete (2015) sind eigene Kompositionen und sein Schlagzeugspiel zu hören.
Ao-Duan-Da | 07:40 | Stereo
Yu-Chung Tseng (Taiwan) promovierte an der University of North Texas (DMA) und ist Professor für Computermusik-Komposition sowie Leiter des Sound Lab an der National Yang Ming Chiao Tung University (NYCU) in Taiwan. Seine Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Festivals und Konferenzen aufgeführt, darunter Taiwan C-LAB (Taipeh), NYCEMF (New York), Musicacoustica (Peking), SICMF (Seoul), die Sound and Music Computing Conference SMC 2016 (Hamburg), Visiones Sonoras (Morelia, Mexiko), La Hora Acusmática (Córdoba, Argentinien), FIME (Buenos Aires), MUSLAB (Mexiko-Stadt) und Musica Nova (Prag). Bei der International Computer Music Conference (ICMC), die jährlich an wechselnden Orten
stattfindet, war er 19-mal vertreten. Für seine Musik wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem beim Pierre Schaeffer International Computer Music Competition (1. Preis 2003), beim Città di Udine International Contemporary Music Competition (Preisträger 2019), bei Musica Nova (1. Preis 2010 und 2025), bei Metamorphoses (Finalist 2006–2010), mit dem ICMC Region Best Music Award (2011, 2015, 2022), bei RMN Classical Electroacoustic (Preisträger 2023), beim KLANG International Acousmatic Composition Competition (2. Preis 2023) sowie mit dem Best Music Award der ICMC 2025.
Credits
Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landeshauptstadt Düsseldorf








