Marie Gavois + Michel Klöfkorn
Marie Gavois und Michel Klöfkorn (SE/DE) arbeiten seit 2014 als Duo zusammen – in den Bereichen Sound, Performance, Film, Installation und Text. Ihre gemeinsame Praxis basiert auf Live-Collage, inszenierter Erzählung, Intervention und dokumentarischen Prozessen. So entstehen Arbeiten, die sich durch die poetischen und politischen Schichten des zeitgenössischen Lebens bewegen. In den letzten zehn Jahren haben sie mit Künstler:innen aus Nigeria, den USA, Skandinavien, Belgien, Spanien und dem Ruhrgebiet an dem Langzeitprojekt Living in a Tableau Vivant gearbeitet – einer ortsspezifischen Arbeit, die großformatige Outdoor-Collagen, Installationen, Video und Live-Performance vereint. Während des ersten COVID-Lockdowns drehten sie Jaime’s House am Fuße der spanischen Pyrenäen und installierten ein 13×9 Meter großes Fassadenposter auf dem Land eines Schäfers.
In jüngerer Zeit haben sie sich verstärkt dem Medium Radio zugewandt. 72 Soundchecks – ein Dokumentarfilm ohne Bilder ist ein 22-stündiges Radiowerk, das die oft unbeachteten Momente der Konzertvorbereitung in eine dichte akustische Erzählung verwandelt. Es wurde im Rahmen von Radio Art Zone zur Kulturhauptstadt Europas Esch-sur-Alzette 2022 ausgestrahlt. Derzeit arbeiten sie an einem kollektiven Projekt mit dem Titel Tell me your passport story.
Neben ihrer Zusammenarbeit verfolgen beide Künstler:innen auch eigenständige künstlerische Praxen. Die Arbeiten von Marie Gavois spiegeln häufig die Dunkelheit unserer Gegenwart wider; sie bewegen sich zwischen sozialem Realismus und Traum. Sie entwickelt Noise-Dance- und Text-Performances. Ihr aktuelles Soloprojekt UNRST erforscht visuelle Programmiersprachen und deren Potenzial für nicht-lineare, generative Impulse in Performance und Musikproduktion. Sie interessiert sich für die Geschichte des Körpers, für Ästhetiken der Psyche ebenso wie für die Ästhetik und soziopolitische Realität des arbeitenden Körpers – Präsenz, Wiederholung und Widerstand.
Michel Klöfkorn arbeitet in den Bereichen Video, visuelle Forschung und „nervöse Poesie“. Mit einem Hintergrund in analogem Film und Zeichnung sucht er nach ungewöhnlichen Wegen, Musik und Klang zu visualisieren. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Prozess des „Entwebens“ von Bildern und Ideen – ein kumulatives Werk über verschiedene Medien hinweg. Mithilfe von analoger und digitaler Animation, aber auch KI und VR, entwickelt er neue Formen räumlicher Zeichnung, bei denen Bleistift- und Aquarellarbeiten über das Papier hinaus in physische und virtuelle Räume erweitert werden. An der Schnittstelle von Poesie, Weltzustand und neuen Technologien schafft seine Arbeit fragile Räume für Reflexion und Widerstand.
Gemeinsam und unabhängig verbindet Gavois’ und Klöfkorns Arbeiten eine geteilte Haltung zu Experiment, kritischer Poesie und Störung. Sie sind Mitglieder des Radical Film Network und Teil des Teams hinter Halffloor – einem 60-sekündigen sonic artwork pod.
