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27.01.2026
#Austausch #Gerhart-Hauptmann-Haus

Performance über Heimat und Erinnerungen

Eine Person sitzt auf dem Boden vor einer Steinwand und trägt ein auffälliges Kostüm mit grünen, fransigen Elementen und einem gelben Stoffteil über einem dunklen Outfit.

Wie viel Loslassen braucht das Ankommen? Was macht eine diverse Gesellschaft aus? Über diese Fragen haben sich die Performer*innen von Teller im Topf in den vergangenen Wochen Gedanken gemacht. Jetzt laden Sie das Publikum ein, daran teilzuhaben – in Form eines inszenierten Parcours zwischen Roadmovie und Performance, der vom FFT zur Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus führt. Von Donnerstag, 29.1. bis Samstag, 7.2. können Besucher*innen daran teilnehmen. Ins Leben gerufen wurde diese installative Performance von der Düsseldorfer Künstlerin Marlin de Haan, mit der wir vorab gesprochen haben:

Für „Teller im Topf“ hast du Menschen gesucht, deren Lebensmittelpunkte sich drastisch verändert haben und sie in einen gemeinsamen Austausch gebracht. Was hat dich an dieser Zusammenführung am meisten interessiert?

Genau genommen habe ich diese persönlichen Geschichten nicht gesucht, sondern bin darauf gestoßen worden. Zunächst bin ich zufällig auf die Stiftung an der Bismarckstraße gestoßen – ich war auf der Suche nach einem Probenraum – und wollte mehr über das wissen, was ich dort vorgefunden habe. Darüber habe ich mich mit meinem persönlichen Umfeld ausgetauscht und auf diese Weise festgestellt, dass es Flucht-, Vertreibungs- und Migrationsgeschichten gibt, die länger zurückliegen und über welche kaum noch gesprochen wird. Zu meiner Arbeitspraxis gehört, mit den Menschen der Orte in Kontakt zu treten, an welchen ich Projekte plane. Die Begegnungen mit diesen Menschen, meine eigenen Beobachtungen vor Ort und die geteilte Auseinandersetzung mit meinem Team, fließen in die Arbeit mit ein. Nach einer ersten Arbeitsphase zu dem Projekt vor genau einem Jahr, hatten mein Team und ich den Eindruck, dass wir tiefer einsteigen müssen in die Thematik, um darüber erzählen zu können. Wir waren schnell umgeben von unterschiedlichen Generationen und persönlichen Perspektiven – dieses Angebot von Begegnungen und Gesprächen wollten wir annehmen. Deswegen haben wir uns im Rahmen des Austausch-Formats „Gruppe“, welches bereits in der Stiftung auf unterschiedliche Art und Weise stattfindet, bedient und eine solche zum erweiterten Austausch für das Projekt selbst etabliert. Dazu kommt, dass wir das künstlerische Team durch weitere Positionen mit persönlichen Erfahrungen zum Thema ergänzt haben. Auf diese Weise haben wir versucht, möglichst viele Perspektiven in die Arbeit miteinfließen zu lassen.

Die Performance führt das Publikum zur Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Was ist das Besondere an diesem Ort?

Als ich zum ersten Mal in der Stiftung war, hatte ich das ungute Gefühl, dass dort ein Teil der deutschen Geschichte durch Ausstellungsobjekte, Bezeichnungen von Räumen, Einrichtungsgegenständen und Wandbilder präsent ist, über welchen ich persönlich zu wenig weiß. 2023 habe ich mich für ein Projekt erstmalig mit meiner eigenen Familiengeschichte auseinandergesetzt. Im Austausch mit meinem persönlichen Umfeld bekam ich den Eindruck, dass die künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stiftung und ihrer gegenwärtigen Nutzung und Funktion etwas über Gemeinsamkeiten erzählen könnte. Und sei es nur, dass wir viel zu wenig voneinander wissen und es sich lohnen könnte, das zu ändern. Daran interessiert mich ebenso, welche Aufgabe Institutionen übernehmen bzw. übernehmen sollten.

Die Erinnerungen und Geschichten der Performer*innen habt ihr – das künstlerische Team – weiterverarbeitet. In welcher Form werden sie dem Publikum präsentiert?

Wir arbeiten mit mehreren Erzählebenen, indem wir das Publikum durch unterschiedliche Räume führen (in das Foyer des FFT Düsseldorf, den Stadtraum, die Stiftung und deren besondere Räume), im Haus der Stiftung mit Projektionen und Klang interagieren, eine Performance mit Text in das Haus der Stiftung setzen. In jede dieser Erzählebenen sind die Begegnungen, Gespräche und Rechercheergebnisse der letzten Monate miteingeflossen. Für das Publikum selbst, welches im Rahmen der Inszenierung unterwegs ist, bieten sich eigene Anknüpfungspunkte, Assoziationsmöglichkeiten und vielleicht neue Perspektiven.


TELLER IM TOPF

DO 29.1., SA 31.1. + FR 6. – SA 7.2.
Treffpunkt: FFT Foyer

Hier geht es zur Veranstaltung
Marlin de Haan in unserem Kompliz*innenarchiv