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27.10.2025
#International #BertoltBrecht

Theaterabend über historische und heutige Exilerfahrungen

Lina Majdalanie und Rabih Mroué am FFT

Auf einer dunklen Bühne sitzen eine Frau und ein Mann nebeneinander und schauen sich an. Im Hintergrund ein Mann am Klavier.

Die Arbeiten von Lina Majdalanie und Rabih Mroué geben keine einfachen Antworten. Im Gegenteil, sie stellen sich den schnell gefassten Meinungen und vorgefertigten Urteilen entgegen. Ihr Stück Four Walls and a Roof, das am 14. und 15. November im FFT Düsseldorf zu sehen ist, fragt nach der Rolle der Kunst in Zeiten von Kriegen und ideologischer Lagerbildung. Die beiden Künstler*innen, die aus Beirut stammen und heute in Berlin leben, haben sich über Jahre als herausragende Stimmen der zeitgenössischen Kunstszene etabliert. Mroué ist auch als bildender Künstler bekannt. Seine Arbeit The Pixelated Revolution wurde 2012 auf der internationalen Kunstausstellung documenta präsentiert.

In Four Walls and a Roof sind Majdalanie und Mroué auf der Bühne als Performer*innen zu sehen. Als Ausgangsmaterial für diese Performance dient den beiden eine Erklärung von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1947. Ein Schriftstück, das er verfasste, als er im amerikanischen Exil vor das Komitee für „unamerikanische Umtriebe“ geladen wurde. Seine vorbereitete Erklärung durfte er im Verlauf der Anhörung nicht verlesen. Es ist aber dokumentiert, wie die Gesinnungsprüfung Brechts ablief. Die Uneindeutigkeit, mit der der Schriftsteller die Fragen beantwortete, zeugen von seinem großen rhetorischen Geschick. Unmittelbar nach dem Verhör verließ Brecht die USA.
In diesem international gefragten Theaterabend, der 2024 beim Festival d‘Automne in Paris Premiere feierte, verflechten Majdalanie und Mroué dieses historische Material mit ihren eigenen Exilerfahrungen und wechseln dabei zwischen schmerzhafter Kritik und humorvoller Befragung. Unterbrochen wird der Abend immer wieder durch Klaviermusik und Live-Gesang mit Liedern von Brechts Weggefährten Hanns Eisler, der den amerikanischen Behörden ebenfalls als „Ememy Alien“ galt.

Über allem stehen die Fragen:
Welche Orte sind für Künstler*innen sicher, um zu denken, öffentlich zu sprechen und ihrer Arbeit nachzugehen?
Wo finden sie die titelgebenden vier Wände und ein Dach?

Lina Majdalanie und Rabih Mroué treten im Wintersemester 2025/26 die Christoph-Schlingensief-Gastprofessur 2025/26 im Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum an. Ein Empfang dazu findet im Vorfeld der Samstagsvorstellung von Four Walls and a Roof am FFT statt.


FOUR WALLS AND A ROOF

FR 14. – SA 15.11., 20 Uhr
FFT, Bühne I

Hier geht es zur Veranstaltung
Empfang für die Christoph-Schlingensief-Gastprofessur